Kostenübernahme der Osteopathie durch die Barmer GEK

Die Barmer GEK glänzte in der Vergangenheit durch eine besonders unkomplizierte Erstattungspraxis. Sehr zur Freude aller Beteiligten.

Die Versicherten konnten seit 2013 die Rechnung ihrer osteopathischen Behandlung bei der Barmer GEK einreichen und bis zu 100€ im Jahr aus dem Gesundheitskonto erstattet bekommen.

Eine ärztliche Verordnung war nicht notwendig. Die Handhabung war eher unkompliziert.

Leider hat die Barmer diese Vorgehensweise seit 2014 eingestellt.

Osteopath und nebenberuflich Arzt oder Physiotherapeut

Auf der Homepage der Barmer konnte man nachlesen, dass Osteopathen eine Kassenzulassung als Arzt oder Physiotherapeut vorweisen müssen, damit die 100€ erstattet werden können (letztes Änderungsdatum der Website 26.06.2014).

Trotz dieser Vorgabe war es unproblematisch, dass auch die Patienten von Osteopathen ohne Kassenzulassung aber mit den gewünschten Grundberufen, ihre Rechnungen einreichen konnten.

Dieses hat sich jedoch Ende 2014 geändert.

Die Barmer GEK verschärft ihre Erstattungspraxis

Die Vorgaben der Barmer bei der Erstattung osteopathischer Behandlungen wurden verschärft.

Die Patienten bekommen nach dem Einreichen der Rechnung eine schriftliche Stellungnahme, dass eine Kostenübernahme nicht mehr möglich sei.

Der Grund dafür liege in der fehlenden Kassenzulassung.

Osteopath mit Kassenzulassung in Physiotherapie – Was hätte das für Folgen?

Die gesetzlichen Krankenkassen Barmer GEK, und mittlerweile auch die LKK, geben vor, dass der Osteopath eine gesetzliche Kassenzulassung vorweisen muss als Arzt oder Physiotherapeut, damit die Kosten für eine private osteopathische Behandlung anteilig erstattet werden können.

Jedoch hat am 08.09.2015 das OLG 2 Düsseldorf eine folgenschweres Urteil gesprochen. Es untersagt Physiotherapeuten Osteopathie anzubieten, auszuüben und damit zu werben. Dies dürfen somit in Deutschland ausschließlich Ärzte und Heilpraktiker.

Dieses Urteil steht in deutlichem Widerspruch zu den Vorgaben der Barmer GEK und der LKK.

Der Irrsinn der Krankenkassen

Ist Ihr Osteopath ausschließlich Physiotherapeut macht er sich strafbar nach dem o.g. Urteil aus Düsseldorf.

Sie als Patient haben keinen Versicherungsschutz, sollte bei der Behandlung etwas passieren, da seine Therapie illegal erfolgt.

Als Heilpraktiker ist es in Deutschland verboten ebenfalls als Physiotherapeut in den gleichen Praxisräumen tätig zu werden (eine Vorgabe des Gesundheitsamtes).

Der Therapeut darf in seiner Praxis nur als Physiotherapeut ODER als Heilpraktiker arbeiten.

Er darf jedoch zwei getrennte Praxen betreiben, in denen er seinen Tätigkeiten getrennt nachgehen kann.

Viele Fallstricke

In meinem Fall würde es folgendes bedeuten:

  1. ich muss  Heilpraktiker sein (für den Versicherungsschutz),
  2. zudem eine kassenzugelassene Physiotherapiepraxis betreiben (für die gesetzliche Krankenkasse),
  3. in der ich Sie aber nicht behandeln darf, weil es den Physiotherapeuten verboten ist Osteopathie zu betreiben (Urteil vom OLG2 Düsseldorf) und ich nicht in den gleichen Praxisräumen als Physiotherapeut und Heilpraktiker tätig sein darf.

Ein Arzt mit Kassenzulassung hat in der Regel mit seiner Praxis mehr als genug zu tun. Möchte er trotzdem osteopathisch tätig werden, dann häufig in abgespeckter Form oder zum Preis einer Arbeitsstunde (ab ca. 150€) oder eben ohne Kassenzulassung als Privatarzt nach der Gebührenordnung für Ärzte (laut Satzung nicht erstattungsfähig durch die o.g. Krankenkassen).

Sollten Sie einen Arzt finden, der diese Anforderung zu Ihrer Zufriedenheit erfüllt, lassen Sie es mich gerne wissen.

Ist Ihr Osteopath ausschließlich als Heilpraktiker tätig, erstatten die o.g. Krankenkassen die Kosten nicht. Eben so wenig, wenn Ihr Osteopath Arzt in einer Privatpraxis ist.

Der Ärger mit der gesetzlichen Krankenkasse

Das Fazit daraus lautet, dass die Barmer GEK und die LKK zwar damit werben, die Kosten für die Osteopathie anteilig zu erstatten, es aber kaum Therapeuten gibt, die die Anforderungen legal erfüllen können. Die Qualität leidet, den Patienten wird eine Kostenübernahme versprochen, die kaum erfüllt werden kann und die Therapeuten müssen sich rechtfertigen.

So machen die Krankenkassen Werbung mit Osteopathie ohne dafür aufkommen zu müssen.

Aus diesem Grund ist eine Kostenübernahme der Barmer GEK und LKK bei mir leider nicht möglich!

10 Gedanken zu „Kostenübernahme der Osteopathie durch die Barmer GEK

  1. Möller

    Hallo. Wir haben genau das selbe Problem. Was kann man machen. Uns wurde such mündlich Zugesagt, dass Frau B.. für die Barmer GEK zugelassen ist.

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    1. Maximilian Plathner Beitragsautor

      Mündliche Zusagen sind Schall und Rauch. Selbst wenn Sie dieses schriftlich haben sollten, würde die Barmer Ihnen die Kosten jetzt nicht mehr erstatten.
      Ich wurde im November noch von der Barmer empfohlen und heute bekommen meine Patienten ihre Kosten auch nicht mehr erstattet. Es ist sehr ärgerlich, sowohl für die Versicherten als auch für uns Osteopathen.
      Sie haben aber die Möglichkeit Ihre Krankenkasse zu wechseln. Sowas ist ein sehr deutliche Konsequenz.

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  2. Nadja Völker

    Das ist echt eine Frechheit. Mir wurde am Telefon auch zugesichert die Kosten für die Behandlung meiner Kinder zu übernehmen und dann einfach ein Stempel drauf abgelehnt. Haben es jedes Jahr selbst bezahlt und dann freut man sich das es endlich unterstützt wird und dann ist es auch schon wieder vorbei.

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  3. Kirsten Rabe

    Ich habe seid Monaten alles versucht meine chronischen Rückenschmerzen selbst zu bekämpfen. Der Osteopath wäre jetzt noch meine Hoffnung auf Besserung. Aber ich bin erschrocken, dass die Barmer keine Beteiligung an den Therapien, die wichtig für mich wären um meinen körperlich anspruchsvollen Job, anbietet.
    Es ist ein Grund über einen Wechsel nachzudenken.

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  4. Sven Kestel

    Mein gestriges Telefonat mit der Barmer ergab, daß für alle “Zusatzbehandlungen” wie Osteopathie, Prophylaxe Zahnarzt etc. im gesamten maximal 50.- Euro pro Jahr erstattet werden.
    Und das gilt auch nur, wenn man sich zum Bonusprogramm angemeldet hat. Dann bekommt man einen 50.- Euro Gutschein, der für eine Behandlung nach Wahl verwendet werden kann. Das geht aber auch wieder nur mit der Einschränkung, daß der behandelnde Arzt/ Therapeut einen Vertrag mit der Barmer abgeschlossen hat bzw. von der Barmer zugelassen wurde. Hierfür ist ein sehr “ausführliches” Aufnahmeverfahren zu absolvieren.
    Leider ist es der Barmer nicht möglich, eine Liste mit Therapeuten zur Verfügung zu stellen, aus der hervorgeht, welcher Osteopath denn erstattungswürdig ist. Ich wurde da an die kassenärztliche Vereinigung verwiesen. Die hat eine Liste mit Osteopathen, von denen sie wiederum nicht wissen, von welchen Krankenkassen diese anerkannt werden. Zur Krönung darf diese Liste nicht herausgegeben werden.

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    1. Maximilian Plathner Beitragsautor

      Die Barmer kann, gegenüber der Konkurrenz, die Osteopathie nicht komplett streichen, aber sie macht es ihren Kunden so kompliziert wie möglich.

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  5. Ingrid Rimkus

    Gerade habe ich ein Gespräch mit der zuständigen BEK-Geschäftsstelle geführt, das mich sehr verärgert hat. Auch ich habe nach erfolgloser Physiotherapie Anfang d. J. wegen eines Bandscheibenvorfalls einen Osteopathen aufgesucht, der mir sehr geholfen hat. Die Sachbearbeiterin sagte mir Euro 100,– Kostenbeteiligung nach Einreichen der Rechnung zu. Allerdings wurde diese abgelehnt mit der fadenscheinigen Begründung, dass im Briefkopf “Heilpraktiker” stünde und ich müsste mich an solche Osteopathen wenden, die eine Kassenzulassung haben. Ich bin einfach verärgert darüber, dass andere Kassen eine vollständige Kostenübernahme bzw. -beteiligung beim selben Osteopathen übernehmen.
    Freundliche Grüße
    Ingrid Rimkus

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  6. Paul Klee

    Ich habe heute telefonisch versucht, die Barmer GEK zur Kostenübernahme für Osteopathie bei meinen akut aufgetretenen Rückenschmerzen zu gewinnen. Alles, was ich erreichen konnte, war ein nettes Gespräch mit der Sachbearbeiterin, und ein Vortrag über Eigenleistungen, die dann als Voraussetzung für die geringe Kostenbeteiligung gelten. Abgesehen von der Tatsache, dass es der Barmer offensichtlich egal ist, ob die Patienten akut Schmerzen haben, eine Bandscheibenoperation hatten, verlangen die, dass man sich hier auf dem Land in andere Kreise aufmacht, um an diesen Voraussetzungen teilzunehmen. Wie man da hinkommt, ist denen auch egal. Leider sind da aber auch politische Entscheidungen Grundlage, die die Kassen nutzen, um die Versorgung von Patienten immer mehr einzuschränken.

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  7. Vanessa Günther

    Durch ein heutiges Telefonat mit einer Sachbearbeiterin habe ich erfahren, dass man bei der BARMER nur über das Bonusheft an eine “Bezuschussung” zur Osteopathie zw. 30-50 Euro kommen könnte.

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  8. Birgit H.

    Ich habe mal versucht bei akuten Schmerzen einen Termin bei einem Osteopathen in Raum Dinslaken /Duisburg zu bekommen . Keine Chance, Termin nach 6-9 Monaten. …. ich bin dann zum HP gegangen

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